Geschichte

Die Uhr, die mit Amelia Earhart zweimal den Atlantik überquerte

Amelia Earharts Verschwinden im Jahr 1937 ist eine so mächtige Geschichte, dass sie fast alles überlagert, was davor geschah. Dabei hatte ein Longines-Chronograph bereits zwei entscheidende Atlantiküberquerungen begleitet — zwei Flüge, die Earhart zu einer der bekanntesten Figuren der Luftfahrt machten.

Amelia Earhart am Steuer eines Flugzeugs.
Amelia Earhart am Steuer eines Flugzeugs. Fotografie von Harris & Ewing, Library of Congress. Gemeinfrei. · Wikimedia Commons

1928: den Atlantik überqueren, bevor man ihn bezwingt

Im Juni 1928 wurde Amelia Earhart zur ersten Frau, die den Atlantik im Flugzeug überquerte. Ein Detail gehört zur Geschichte: Sie steuerte das Flugzeug auf dieser Reise nicht. Sie flog an Bord der Friendship gemeinsam mit Pilot Wilmer Stultz und Mechaniker Louis Gordon. Die Präzisierung schmälert die Leistung nicht — sie macht deutlicher, wie groß der nächste Schritt sein sollte.

In der frühen Luftfahrt war Zeit ein Navigationsinstrument. Lange vor GPS und moderner Avionik flossen genaue Zeitintervalle in Berechnungen zu Kurs, Geschwindigkeit, Treibstoff und Position ein. Longines war bereits eng mit Präzisionszeitmessung und Luftfahrt verbunden und dokumentiert, dass Earhart bei ihren Atlantikflügen 1928 und 1932 einen Chronographen mit Kaliber 13.33Z verwendete.

Auch technisch war das 13.33Z bemerkenswert. Longines stellte das Kaliber 1913 vor; es gehörte zu den frühen kompakten Chronographenwerken, die gezielt für das Handgelenk entwickelt wurden. Der Chronograph wurde über einen in die Krone integrierten Drücker bedient. Damals war er weniger Lifestyle-Komplikation als echtes Messinstrument.

1932: diesmal allein

Vier Jahre später kehrte Earhart unter völlig anderen Voraussetzungen zum Atlantik zurück. Am 20. Mai 1932 startete sie in Harbour Grace auf Neufundland zum Soloflug. 14 Stunden und 56 Minuten später landete sie in Nordirland und war damit die erste Frau, die den Atlantik allein und ohne Zwischenlandung überflogen hatte.

Longines bringt erneut einen 13.33Z-Chronographen mit diesem Flug in Verbindung. Man muss sich die Situation ohne heutige Selbstverständlichkeiten vorstellen: Lärm, Vibrationen, Wetter, begrenzte Informationen und eine Pilotin, die Zeit, Geschwindigkeit, Treibstoff und Position fortlaufend in Entscheidungen übersetzen musste.

Die Uhr flog das Flugzeug nicht. Sie beseitigte auch keine Unsicherheit. Sie lieferte etwas Nüchterneres: eine verlässliche Zeitreferenz in einer Umgebung, in der jede verlässliche Referenz zählte. Genau deshalb gehörten Uhrmacherei und Luftfahrt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts so eng zusammen.

Rekorde als Plattform

Earhart verstand früh, dass ihre Flüge mehr bewirken konnten als neue Zahlen in Rekordlisten. 1929 half sie bei der Gründung der Ninety-Nines, einer Organisation von und für Pilotinnen. Ihre öffentliche Rolle wurde zu einem sichtbaren Argument dafür, dass die moderne Luftfahrt kein exklusiv männlicher Raum sein musste.

Diese Verbindung aus Technik, Risiko und öffentlicher Wirkung erklärt, warum Earhart so gut in die Geschichte der Fliegeruhren passt. Sie birgt aber auch eine typische Gefahr historischer Uhren-Erzählungen: Eine gut belegte Verbindung wird mit der Zeit gern auf Ereignisse ausgedehnt, für die die Quellen weniger hergeben.

Sicher belegt ist die Verbindung des Longines 13.33Z mit den Atlantikflügen von 1928 und 1932. Für die Behauptung, genau diese Uhr habe Earhart auch auf ihrem letzten Flug 1937 begleitet, gibt es keine vergleichbar belastbare Grundlage. Diese Grenze gehört zur Geschichte.

1937: Das Rätsel braucht keine erfundene Uhr

1937 starteten Earhart und Navigator Fred Noonan zu einer Weltumrundung nahe dem Äquator. Am 1. Juni verließen sie Miami, am 29. Juni erreichten sie Lae in Neuguinea. Am 2. Juli hoben sie in Richtung Howland Island im zentralen Pazifik ab. Sie kamen nie an.

Das Verschwinden wurde zu einem der großen Rätsel des 20. Jahrhunderts. Gerade deshalb ist die Versuchung groß, eine bestimmte Uhr in das Cockpit zu setzen und mit ihr im Pazifik verschwinden zu lassen. Gute Geschichte muss eine Lücke jedoch nicht mit Gewissheit füllen, nur weil das Bild stark wäre.

Der Longines-Chronograph braucht dieses Ende gar nicht. Er hatte den Atlantik bereits mit Earhart überquert, als die Welt begann, ihren Namen zu kennen. Und er überquerte ihn ein zweites Mal, als sie nicht mehr die berühmte Frau an Bord war, sondern die Pilotin, die allein zeigen wollte, was möglich war.

Manchmal ist nicht der Gegenstand am spannendsten, der mit einer Legende verschwand. Sondern derjenige, der dabei war, als die Legende entstand.

Quellen und Literatur

  1. Longines — International Women’s Day 2026 press material on Amelia Earhart and the 13.33Z
  2. Longines — Heritage information on the 13.33Z single-pusher chronograph
  3. The Ninety-Nines — Amelia Earhart and the organisation’s history